Die Café Racer sind wieder im Kommen

Sie waren den 60er Jahren in England das Sinnbild der Rocker oder auch Ton Up Boys, wobei diese damals nichts mit dem heutigen deutschen Begriff der Rocker zu tun hatten. Vielmehr handelte es sich um eine Subkultur, die sich durch schwarze Lederjacken und pomadige Frisuren auszeichnete: Der Begriff „Café Racer“ kommt von der damaligen Benutzung. Die Rocker fuhren meisten von einem Café zum anderen. Besonders berühmt waren das Ace Café in London und das Busy Bee Café in Watford. Waren in den Jahren zuvor Motorräder noch ein reines Transportmittel gewesen, konnten sich in den 60er Jahren immer mehr Menschen ein Auto leisten. Motorräder waren ein Zeichen der Rebellion, und sie wurden bewusst so umgebaut, dass sie anders aussahen.

Die Maschinen waren klein und stachen vor allem mit dem sehr tief liegenden Lenker hervor. Sie waren sehr leicht, aber durchaus gut motorisiert, meist wurden die Motoren noch modifiziert um mehr Leistung zu haben. Charakteristisch war auch der kleine Sitz, auf dem nur eine Person Platz fand. und ein sehr langgezogener Tank. Auf dem Café Racer sitzt der Fahrer auch heute in extrem gebückter Haltung, was ihm auch weniger Windwiderstand bieten soll. Als Helme können Retromodelle verwenden werden, man sieht aber auch Fahrer die einen Motocross Helm tragen.

Als die ersten Café Racer gebaut wurden, veranstalteten die Besitzer auch Rennen, meistens illegal. Mit den aufgebohrten Auspuffen und den modifizierten Motoren konnten die Maschinen locker 160 Kilometer pro Stunde erreichen. Man hatte sich als Vorbilder die Rennmaschinen genommen, wie sie auf der Isle of Man zu Einsatz kamen, verzichtete aber auf Verkleidungen. Spötter sagten, die Café Racer hießen so, weil die Besitzer eigentlich eine Rennmaschine wollten, es aber nur für ein kleines Modell reichte, das man vor einem Café parken kann.

Seit etwa 2010 wurde die Café Racer wiederentdeckt, und auch große Hersteller machten sich daran, Sondermodelle zu produzieren. Die BMW R nineT gehört eigentlich in die Kategorie der Naked Bikes, weil sie keine Verkleidung hat, entspricht aber auch den Anforderungen an einen Café Racer. Geradezu einen Kultcharakter haben die Royal Enfield-Modelle, vor allem die Continental GT. Die Traditionsfirma Triumph hat sich ebenfalls auf ihre ruhmreiche Vergangenheit besonnen und mit der Thruxton ein Modell auf den Markt gebracht, das mit 900 Kubikzentimeter Hubraum eines der schnellsten Motorräder in dieser Klasse ist. Moto Guzzi folgte mit der G7 und Ducatti mit dem Scrambler Café Racer.

Der Café Racer ist heute zu einem Zeichen urbanen Lebens geworden, und das in Großstädten weltweit. Man fährt damit zwar keine Rennen mehr und es ist auch kein Zeichen der Rebellion mehr, aber noch immer ein Ausdruck von Individualität und Freiheit. Die Motorräder erinnern an die Zeiten von James Dean und Born to be Wild, man fährt heute damit aber auch ins Büro.