Motorsport in der DDR — eine Erfolgsstory

Die eigentliche Geschichte des Motorsports neben dem Automobil-Rennsport in der DDR begann mit Motorrad-Straßenrennen. Die Fertigung der Rennmaschinen unterlag dem VEB Motorradwerk Zschopau und der Simson Suhl-Motorsportabteilung. Eine legendäre Rennmaschine, die SIMSON RS 350/7 aus dem Jahr 1959 vom Suhler Konstrukteur Werner Strauch, ist heute noch im Fahrzeugmuseum Suhl zu bewundern. Die Geländesport-Fahrer im ehemaligen Osten konnten und können noch immer beachtliche Erfolge hervorweisen.

Sieggewohntes Rennkollektiv der DDR

Als das Geburtsjahr des Moto-Cross in der DDR gilt das Jahr 1950. Zwar wurde bereits in den vorangegangen Jahren Motorrad-Geländesport betrieben, jedoch im Hinblick auf eine aufgezwungene Stilllegung der Motorradproduktion in Suhl wurde das Renn-Kollektiv aufgegeben. Dennoch blieb ein kleiner harter Kern einer Geländesport-Gruppe bestehen, die auf einer AWO 425S diesem Sport weiter nachgingen. Die Motorräder waren nicht für die Straße zugelassen und hatten keine Beleuchtung. Die Rennsport-Maschinen durften nur auf abgesperrtem Gelände fahren. Die westlichen Gegenspieler waren NSU, Maico, Zündapp, Herkules und international die Triumph.

Der Motorrad-Geländesport war zwar nicht so effektvoll wie der Straßenrennsport, jedoch mussten die Fahrer hier mit tückischen Passagen im unwegsamen Gelände kämpfen. Die Fahrzeuge damals waren schwer und nicht so leichtgewichtig wie heute, und die Fahrer mussten ihre Maschine gut beherrschen sowie über eine ausgezeichnete Kondition verfügen. Der Schwierigkeitsgrad hat jedoch mit den heutigen Pisten kaum noch etwas gemein. Aber gemessen am verarbeiteten Material, das den Fahrern zur Verfügung stand, gab es auch damals dramatische Kämpfe, die das Ereignis zu einem spannungsgeladenen Motorradspektakel machte und die Zuschauer mitriss.

Moto-Cross-Meisterschaft 1956

Aufgrund der wachsenden Beliebtheit wurde 1956 eine Moto-Cross-Meisterschaft organisiert. Der Löwenanteil der Wettbewerbs-Fahrzeuge waren AWOs aus Suhl und so wurde sich wieder verstärkt in der Simson-Sportabteilung mit diesem Motorsport befasst. Laut Ausschreibung mussten die Fahrzeuge der STVZO entsprechen und polizeilich zugelassen sein. Die Wettbewerbs-Fahrzeuge brauchten ein Kennzeichen und die elektrische Anlage musste betriebsfähig sein. Schalldämpfer waren nicht vorgeschrieben und Kippständer sowie Soziussitz mussten entfernt werden. Jedoch durften die Kotflügel verkürzt und in der Breite reduziert werden — natürlich nach Vorschrift.

AWO-Gespanne im Geländesport

Damals gab es im Geländesport noch die beliebten Seitenwagenrennen, die in der DDR mit einem AWO-Gespann absolviert wurden. Seitenwagenrennen sind heutzutage im „Enduro-Sport“ nicht mehr üblich. Es kam meist ein 250er Gespann mit Simson-AWO-Viertaktmotor zum Einsatz. Die DDR-Fahrer gehörten in dieser Disziplin zu den Besten im ehemaligen Ostblock. Um gute Leistungen zu erreichen, wurden hier Eigenbauten integriert und geschachert, was das Zeug hielt. Die Gespanne wurden damals im Garant und später im B 1000 transportiert, was nicht immer ganz einfach war. Heutzutage geht das wesentlich leichter vonstatten. Die Fahrzeuge sind nur noch reine Enduromaschinen und leichter. Durch eine entsprechende professionelle fahrzeugeinrichtung kann die Enduro ladungsgerecht in einem Transporter fixiert werden.

Der letzte große Sieg

Ihren letzten großen Sieg erreichte die DDR bei der 62. Sechstagefahrt 1987 in Polen. Diese Weltmeisterschaft gewann Thomas Bieberbach auf der Simson GS 80, die ebenfalls im Fahrzeugmuseum Suhl zu bewundern ist. Thomas Bieberbach ist bis heute der einzige deutsche Weltmeister im Endurosport (vormals als Motorrad-Geländesport bezeichnet). Es war der größte Erfolg, den die Suhler im Verlauf ihrer 35-jährigen Motorrad-Geländesport-Geschichte verzeichnen konnten.